Samstag, 3. November 2012

Paulo Coelho: Veronika beschließt zu sterben


Taschenbuch, 223 Seiten
Diogenes Verlag
Erscheinungsjahr 2000
Preis: 9,90 €
Amazon

Lange, wirklich lange stand dieser Roman auf meiner "muss ich lesen" Liste. Im Endeffekt hat es sich nicht nur gelohnt, ich habe auch wesentlich mehr bekommen als erwartet: In diesem Roman stehen so viele Antworten! 

Paulo Coelho verarbeitet in "Veronika beschließt zu sterben" teilweise seine eigenen Erfahrungen in der Psychiatrie, in die er von seinen Eltern selbst gesteckt wurde. Früher waren Psychiatrien auch Orte an denen man ungeliebte bzw. merkwürdige Verwandte abschob. Gleichzeitig scheint der Roman auf der wahren Geschichte einer Frau zu beruhen, die Coelho kennen lernte und schließlich fasziniert von ihr beschloss ein Buch zu schreiben. Der Autor schreibt, was wie ich finde sehr ungewöhnlich ist, in einem Kapitel von sich selbst und wie er von Veronikas Geschichte erfuhr. 

Veronika, eine junge Frau in den 20gern, Bibliothekarin, beschließt eines Tages dem Leben überdrüssig sich umzubringen. Einen genauen Grund kann sie nicht benennen. Sie schluckt starke Schlafmittel, die sie sich über einen längeren Zeitraum angesammelt hat und versucht in ihren letzten Minuten zunächst einen Brief an die Eltern zu schreiben, bis eine Zeitschrift ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht in der spöttisch gefragt wird wo Slowenien liegt? Veronika kann dies nicht auf sich sitzen lassen und schreibt einen wütenden Leserbrief... 

Als sie erwacht glaubt sie zunächst tot zu sein, muss jedoch feststellen in der berüchtigten Anstalt Vilette gelandet zu sein. Dr. Igor, Leiter der Anstalt, erklärt Veronika sie habe ihr Herz mit den Medikamenten dermaßen geschädigt, dass sie bald sterben wird, so waren ihre Bemühungen nicht umsonst, glaubt sie. In Vilette hat Veronika die Möglichkeit sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und mit der Frage was denn verrückt sei? Sie lernt das Leben im Angesicht des Todes erst wirklich zu schätzen, doch scheint es dafür zu spät zu sein...

Neben Veronika finden auch andere Patienten einen Platz in dem Roman ein, die zu ihren Vertrauten werden:

- die depressive Zedka
- die von Angst- und Panikattacken gestörte, ältere Rechtsanwältin Mari 
- der Schizophrene junge Mann und Botschafter Sohn Eduard 

Außerdem widmen sich einige Seiten den Absichten und Gedanken von Dr. Igor, der dabei ist über seine Entdeckung zu publizieren und in Veronika die beste Versuchsperson gefunden hat.

Der nahende Tod verändert nicht nur Veronika, sondern allmählich auch die anderen Patienten in Vilette. Außerdem bahnt sich zwischen ihr und dem Schizophrenen eine etwas ungewöhnliche Liebesgeschichte an, die aus meiner Sicht hauptsächlich darauf beruht, dass beide ungefähr das gleiche Alter haben (wodurch er der einzige attraktive, wie potentielle Partner ist) und Veronika abendlich für Eduard Klavier spielt.

Störend fand ich wie Veronika zu ihrem Durchbruch kommt: Sie befriedigt sich vor Eduard selbst, weil sie denkt, er würde sowieso nicht wirklich in unserer Welt verweilen und bekommt dabei multiple Orgasmen (sehr männliche Vorstellung/ Darstellung). Diese Szene ist auch gleichzeitig der Durchbruch für Eduard.
Wirklich ergreifend ist wie lebensbejahend dieser Roman ist und die Einstellung zum "verrückt sein". 

Ein Roman, der nachdenklich macht und die innere Sicht vielleicht gerade rückt! 


Donnerstag, 11. Oktober 2012

Ingrid Noll: Kalt ist der Abendhauch


Taschenbuch, 256
Diogenes Verlag
Erscheinungsjahr: 1999
Preis: 10,90 €
Amazon


Meine Vorliebe bei Lektüre ist ein offenes Geheimnis. Ich liebe Geschichten, die vom Leben erzählen, ihren Protagonisten von Geburt an bis zum Tod begleiten und manchmal sogar darüber hinaus. Nicht selten spielt in diesen Büchern der 2. Weltkrieg eine Nebenrolle. Ich habe sogar ganze Kapitel gelesen, die den Krieg thematisieren und war mitgerissen. Besonders spannend finde ich es Einblicke in verschiedene Perspektiven zu erhalten.

Eine andere Macke von mir ist, dass ich häufig die Verfilmung vor dem Buch sehe und so im nachhinein oft eine andere Meinung habe, als die Verfechter der These "Bücher sind besser als die Filme, die daraus gemacht werden", oder aber mir gefällt die Umsetzung ziemlich gut, selbst wenn sie sich nicht exakt an die literarische Vorlage hält.

"Kalt ist der Abendhauch" von Ingrid Noll  ist so ein Fall. Der Film gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Es hat ewig gedauert bis ich das Buch gelesen habe: spannend, rührend, aufwühlend, mitreisend, nur um einige Adjektive zu nennen, die dieses Buch beschreiben.

Eins vorweg, es handelt sich nicht um einen Krimi, obwohl Frau Noll  als Krimiautorin bekannt ist. Inhaltlich gibt es trotzdem eine Leiche.

Vor allem ist dies ein Roman, der in seinen wenigen Seiten, in wenigen, gezielt gesetzten Worten, ein ganzes Leben enthält, welches so eindrucksvoll ehrlich geschildert wird, dass es mir an vielen stellen die Sprache verschlagen hat.

Inhalt:

Charlotte Schwab, Anfang achtzig, ist eine resolute Frau, die nicht auf den Mund gefallen ist. Sie ist eine außergewöhnliche Erscheinung. Am liebsten trägt sie Turnschuhe und einen grünen Jogging-Anzug. Zu ihrem Enkel Felix hat sie eine besonders freundschaftliche Beziehung, der sich um sie kümmert.  Ihr Schwager Hugo, die große Liebe in Charlottes Leben, hat sich zum Besuch angekündigt. Dies nimmt sie zum Anlass  ihr Leben revue passieren zu lassen. Geheimnisse werden dabei ans Tageslicht gefördert.

Der Schwenk geht zur 15 Jährigen Charlotte. Ein intelligentes, vorwitziges Mädchen, dass sich auf den ersten Blick in Hugo verliebt, in der festen Überzeugung ebenso von ihm geliebt zu werden. Jedoch heiratet dieser ihre Schwester Ida, womit für sie zwar eine Welt zusammen bricht, jedoch nicht daran hindert weiter von ihrem Schwager zu träumen. Charlotte hegt sogar alles andere als christliche Gedanken, betet dafür, dass Hugo die Schwester verlässt, oder das sie gar im Kindbett stirbt. Charlotte ist in ihren Erinnerungen schonungslos ehrlich, ohne ihre eigenen Motive zu verklären und dies beeindruckt. 

In den folgenden Jahren ändert sich nichts an ihrer stoischen Liebe zu Hugo. Sie tut so einiges um in seiner Nähe zu bleiben. So beginnt sie eine Lehre im Schuhgeschäft ihres Vaters, welches Hugo eines Tages übernehmen soll. Gleichzeitig erschließt sich nie ganz womit er ihre Liebe verdient hat. Der Schwager ist das was man unter einem Lebemann versteht, ein Träumer, der seine Nase in Büchern versinken lässt und stundenlang darüber diskutieren könnte. Er hat eine optimistische Art ans Leben heran zu gehen, hält nichts vom Krieg, lebt und liebt und das in zahlreichen außerehelichen Affären. Erst als ihr Leben vom Krieg überschattet wird, Charlotte ist junge Witwe, beginnen die beiden eine Affäre und leben sogar  eine Zeit lang wie eine Familie zusammen, in der sich sich Hugo um Charlotte und ihre Kinder sorgt. Selbst als er sich endgültig für die Schwester entscheidet und Charlotte in zweiter Ehe gebunden ist, bleibt ihre Affäre heimlich bestehen...

Charlotte Schwab, Anfang 80, bereitet sich also  auf den Besuch ihres geliebten Schwagers vor. Kann es nach all den Jahren noch ein "Happy End" für ihre Liebe geben?

An dieser Stelle möchte ich nicht mehr viel von der Handlung verraten, auch wenn mir das unter den Fingern brennt, nur auf das Gedicht "Abendlied" von Mathias Claudius möchte ich verweisen, in deren siebten Strophe es heißt: 

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

(Abendlied, Matthias Claudius)


Für mich gleicht der Roman der letzten Beichte einer Frau, die ihr Leben gelebt hat und dem Ende naht, die um Vergebung ihrer Sünden bittet und so einen friedlichen Lebensabend verbringen kann. Jedem, der sich für die Tragödie des Lebens interessiert und gleichzeitig die Schönheit darin erkennen kann, kann ich "Kalt ist der Abendhauch" bedenkenlos empfehlen. 


Die Literatur-Verfilmung

Kalt ist der Abendhauch DVD
auf Amazon für 7,99 € 

Der Film Trailer




Wertung


Samstag, 24. März 2012

Loewe-Verlag Gewinnspiel: Amy Plum - von der Nacht verzaubert






"Als Kate Merciers Eltern bei einem tragischen Unfall sterben, zieht sie zusammen mit ihrer Schwester Georgia zu den Großeltern nach Paris. Jede versucht auf ihre eigene Weise, ihr altes Leben und ihre schmerzvollen Erinnerungen hinter sich zu lassen. Während Georgia sich in das Nachtleben stürzt, sucht Kate Zuflucht in ihren Büchern bis sie eines Tages Vincent trifft, der es schafft, ihren Schutzpanzer zu durchbrechen. Bei Spaziergängen entlang der Seine und durch die spätsommerlichen Gassen von Paris beginnt Kate, sich in ihn zu verlieben nur um kurze Zeit später zu erfahren, dass Vincent ein Revenant ist. Die Liebe der beiden steht unter einem schlechten Stern: Vincent und seine Freunde sind in einen jahrhundertealten Kampf gegen eine Gruppe rachsüchtiger Revenants verstrickt. Schnell begreift Kate, dass ihr Leben niemals wieder
sicher sein wird, wenn sie ihrem Herzen folgt. "


Der Loewe-Verlag verlost 10 Exemplare dieses traumhaft schönen Buches. Postet den Trailer auf eurem Blog und schickt eine E-Mail mit dem Link an facebook@loewe-verlag.de
Teilnahmeschluss ist der 25. März 2012!

Dienstag, 20. März 2012

dtv Gewinnspiel: Finding Sky - Die Macht der Seelen



Gebundene Ausgabe, 464 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag
Erscheint am 1. Mai 2012
Preis: 16,95 €


Dtv verlost 30 Vorab-Exemplare des im Mai erscheinendes Werkes von Joss Stirling an Blogger. Einzige Bedingung ist es das Cover auf dem eigenen Blog hochzuladen und den Link davon an den Dtv zu senden. Ihr habt noch Zeit bis zum 30. März, also alle schnell teilnehmen! 

Kerstin Gier: In Wahrheit wird viel mehr gelogen



Taschenbuch, 272 Seiten
Bastei Lübbe
Erschienen im März 2011
Preis 7,99 €


Buchrückentext:

Carolin ist sechsundzwanzig - und ihre große Liebe ist gerade gestorben. Wirklich gestorben, nicht nur im übertragenen Sinne tot. In ihrer Trauer muss sie sich mit ihrem spießigen Exfreund um ein nicht gerade kleines Erbe streiten. Kein Wunder also, dass Caro sich betrinkt, zu einer Therapeutin geht und ein kleines Vermögen für Schuhe ausgibt. Und sich von Idioten umzingelt fühlt. Zum Glück ist Carolin in ihren schwärzesten Stunden nicht allein, und ihre besorgte Familie und ein ausgestopfter Foxterrier mit dem Namen >> Nummer zweihundertdreiundvierzig<< helfen ihr bei einem Neuanfang ...

Meine Meinung:

Dieser Roman wanderte in mein Bücherregal, weil er von Kerstin Gier ist und mir "Gegensätze ziehen sich aus"  so gut gefallen hat. Frau Gier ist die Grand Dame der deutschen Frauenliteratur. Sie schreibt sehr humorvoll. Vor allem ist sie berühmt für ihre Mütter Mafia Reihe und die Edelstein-Triologie. "In Wahrheit wird viel mehr gelogen" teilt sich mit der Mütter Mafia das selbe Universum, so treten viele Nebencharaktere und Schauplätze aus dieser Reihe auf - die Handlung spielt z.B. ebenfalls in der Insektensiedlung. 

Der Leser wird in eine ziemlich trashige Szene hineingeworfen. Carolin liegt völlig betrunken am Boden, beschimpft jeden als Idiot, auch ihren unbekannten Helfer und brabbelt ständig Sätze auf polnisch, oder gibt damit an wie überlegen sie mit ihrem hohen IQ doch ist. Kein Wunder, dass sie nicht gerade Sympathien damit einfängt, oder?

Nach dem Tod ihres 53 Jährigen Mannes ist sie bei ihrer Schwester Mimi und dem Schwager Ronnie untergekommen, die sich eigentlich um alle ihre Belange kümmern, eingeschlossen aller Rechtsstreitigkeiten. Die Parallelen zu Constanze (die Hauptperson der Mütter-Mafia-Reihe) sind auf den ersten Blick offensichtlich. Carolin musste niemals wirklich arbeiten, stattdessen studierte sie einen Studiengang nach dem nächsten und ihr Mann kümmerte sich um das finanzielle, der welches Wunder ganz schön vermögend war. Außerdem ist Carolins Ex, der Sohn ihres toten Mannes, oh, Wunder auch noch Anwalt. Zur Erklärung, Constanze musste auch niemals arbeiten, studierte nur, heiratete einen vermögenden Anwalt, lies sich scheiden und heiratete schließlich einen noch vermögenderen Anwalt, einen noch besseren als den Ex noch dazu, ha! Das ist auch der zweite Punkt, der Carolin nicht sympathisch erscheinen lässt. Sie ist so unselbstständig, obwohl sie sich als verdammtes Genie verkauft. Fraglich ob sie ohne Karl (das ist der verstorbene Gatte) sich jemals zurecht gefunden hätte in der großen, bösen Welt. Und nach dem das Offensichtliche klar ist, ist auch verständlich warum sie sich in einen so viel älteren Mann verliebte. Frau Karthaus-Kürten, die im Buchrückentext genannte Therapeutin, hat eigentlich recht mit ihren "Vater-Komplex" Theorien.

Carolin beginnt auf Anraten dieser Therapeutin ein Tagebuch zu schreiben in dem sie die Geschichte von ihr und Karl niederschreibt. Diese Geschichte ist wirklich sehr interessant und lässt Carolin menschlicher wirken und Karl lebendig werden - danach ist jedenfalls klar, warum sie ihn geliebt hat. 

Nach mehr als der Hälfte des Buches rappelt sie sich auf, erscheint doch noch als Sympathieträgerin. Alles geht im Schnellverfahren gen Ende mit einer zufriedenstellenden Lösung für alle aus. Pardon, wenn ich hier zu viel verraten habe! 

Der Titel des Buches ist recht verwirrend. Mir ist nicht ganz klar geworden, warum Lügen eine solche große Rolle spielen. Carolin erzählt nicht alles ihre Person betreffend aus Angst vor Ablehnung, aber das ist ihr gutes Recht. Zum Schluss begeht sie zwar eine List, doch auch die ist keine wirkliche Lüge, da sie auch im Recht ist. Einzig der Bruder ihres Mannes - der raffgierige Onkel Thomas - macht sich der Lüge schuldig. Fürs Geld würde der werte Herr wohl alles tun, er ist es auch der Carolin immer wieder wegen des Erbes bequatscht. Hier hat Kerstin Gier einen super unsympathischen Charakter geschaffen - ich hatte mehrmals das Bedürfnis ihn von einer Klippe zu stürzen. Die Familie von Karl kommt allgemein nicht gut weg, bis auf seinen Sohn und Carolins Ex Leo, über den am Ende doch ein mildes Urteil gefällt wird. Besonders gemocht habe ich in der Nebenrolle Mimi und Ronnie, außerdem den Helfer in der Not. Oh, Wunder, sein Part fällt auch noch größer aus. 

Insgesamt ist "In Wahrheit wird viel mehr gelogen" ein sehr unterhaltsamer, wie kurzweiliger Roman. An keiner Stelle verspürte ich das Bedürfnis die Geschichte möge sich doch bitte  beeilen, Langweilige kam nicht auf. Für zwischendurch und nette Lesestunden genau der der richtige Lesestoff!


Buchtrailer: